HABICHTSWALDKLINIK
Abteilung Onkologie

Die integrative Onkologie vereint universitäre Medizin,
 Naturheilkunde und Psychoonkologie

Unser Informationsservice zum Thema:

Lymphödem bei Krebserkrankungen ©

Lymphödem: Lymphsystem 

Neben dem Blutkreislauf trägt das Lymphsystem zum gezielten Transport von Körperflüssigkeiten bei. Das Blut fließt von den Schlagadern (Arterien) über die feinen Blutgefäße (Kapillaren) zu den Venen, die es zum Herzen zurück transportieren. Beim Blutfluss durch die Kapillaren wird Flüssigkeit aus dem Blut in das Gewebe abgegeben.

Diese Flüssigkeit wird über feinste Lymphgefäße wieder gesammelt, über größere Lymphgefäße an Lymphknoten vorbei in die zentralen Lymphgefäße und von diesen an einer zentralen Einmündungsstelle in die Venen unmittelbar vor dem Herzen zurückgeführt.  

Lymphödem: Entstehung des Lymphödem's 

Kommt es im Rahmen einer Krebserkrankung zu einer Schädigung der Lymphbahnen oder der Lymphknoten, so kann es zu einer Abflussstörung der Lymphflüssigkeit aus dem entsprechenden Körpergebiet kommen. Schädigungsmöglichkeiten der Lymphknoten sind zum Beispiel in Lymphknoten gelegene Metastasen oder aber auch eine operative Entfernung der Lymphknoten im Rahmen einer Krebsoperation oder eine Bestrahlung des Gebietes, durch das Lymphgefäße hindurchziehen. Das Lymphgefäßsystem ist weit verzweigt, so dass es nur bei einer Zerstörung mehrerer Lymphbahnen oder Schädigung bzw. Entfernung zahlreicher Lymphknoten zu einer Lymphabflussstörung kommt. 

Besonders bedeutsam sind Lymphabflussstörungen bei Patientinnen nach Operation von Brustkrebs, wenn die Achsellymphknoten operiert werden mussten bzw. die Achselhöhle mit bestrahlt werden musste. Diese Patientinnen können ein Lymphödem im Bereich der Brustwand oder des Armes entwickeln.

Bei Tumoren im Bereich des Unterbauches kann es bei Frauen wie bei Männern ebenfalls zu einem Lymphstau kommen. Typische Erkrankungsbeispiele sind: Prostatakrebs, Krebs der Eierstöcke und der Gebärmutter

Das Ausmaß des Lymphödem's ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Es kann unmittelbar nach der primären Therapie entstehen, sich aber auch noch in der Folge der kommenden Monate und Jahre entwickeln. 

Arm- Lymphödem nach Brustkrebserkrankung 

Das Arm-Lymphödem kann in unterschiedlicher Ausprägung im Bereich der Finger und Hände, des Unterarmes und/oder des Oberarmes auftreten. Einige Frauen verspüren auch eine Schwellung im Bereich der Achselhöhle oder der Brustwand. 

Bein- Lymphödem 

Auch hier kann es in unterschiedlicher Ausprägung zu einer Schwellung im Bereich der Zehen und Füße, der Unterschenkel oder Oberschenkel kommen. Auch die Genitalregion kann einbezogen sein. 

Folgeerscheinungen und Komplikationen bei Lymphödem 

Ein ständiger Stau von Lymphflüssigkeit im Gewebe führt zu einer Bindegewebsvermehrung und Bindegewebsverhärtung, die nach einiger Zeit zu einem Umbau des Bindegewebes in Form einer sog. Fibrose führen kann. Hierdurch kann die Funktionsfähigkeit der Extremität erheblich eingeschränkt werden. 

Eine von einem Lymphödem betroffene Extremität ist erhöht infektanfällig. Es können sich bereits über kleine Verletzungen (sog. Eintrittspforten) Krankheitserreger im Gewebe ausbreiten. Die klassische Infektionsform stellt die sog. Wundrose (Erysipel) dar. Hierbei handelt es sich um eine infektiöse, durch ein Bakterium verursachte Entzündung im Gewebe, die sich bei fehlender Behandlung ausbreiten kann. Die klassischen Symptome sind eine sich rasch ausbreitende Rötung, Schwellung und Überwärmung, die auch mit allgemeinen Symptomen wie Fieber einhergehen kann.

Eine Wundrose muss unmittelbar antibiotisch behandelt werden. Hinzu kommen lokale Maßnahmen wie kühlende Umschläge, Ruhigstellung der Extremität und ggf. Bettruhe.

Die sonst stattfindende Lymphdrainagebehandlung muss während des akuten Entzündungsprozesses unterbrochen werden.  

Vorsichtsmaßnahmen bei der Gefahr der Entstehung eines Lymphödem 

Moderne Operations- und Bestrahlungstechniken sind darauf ausgerichtet, die Entstehung eines Lymphödem s zu verhindern. Dies ist aber aufgrund der bösartigen Erkrankung nicht immer machbar. Außerdem scheint die Entwicklung eines Lymphödem s von individueller Konstellation abhängig zu sein. 

Patienten, bei denen eine Operation durchgeführt wurde, die zur Entstehung eines Lymphödem s führen kann, sollten stärkere Belastungen der entsprechenden Extremität und vor allen Dingen Verletzungen bzw. Infektionsmöglichkeiten vermeiden.

Dies bedeutet konkret:

Lymphödem im Armbereich

Tätigkeiten mit Verletzungsmöglichkeit sollten vermieden werden, entsprechende Schutzkleidung ist zu tragen, z. B. bei der Hausarbeit oder der Gartenarbeit, aber auch beim Umgang mit Haustieren. Zur Vermeidung von Insektenstichen sollte möglichst langärmelige Kleidung getragen werden und in entsprechenden Urlaubsregionen Insekten vertreibende Hautpflegemittel verwendet werden.

Blutentnahmen oder Injektionen ebenso wie Akupunktur sollte an diesem Arm vermieden werden. Auch häufigere Blutdruckmessungen sollten am anderen Arm durchgeführt werden.

Sportarten sollten entsprechend ausgewählt werden, so dass Verletzungen des Armes vermieden werden.

Im beruflichen Bereich sollten mehrstündige monotone Arbeiten oder häufige Überkopfarbeiten sowie Heben und Tragen von schweren Lasten vermieden werden.

Bei der Hausarbeit sollte die Belastbarkeit beim Fenster putzen, Einkaufen, Wäsche aufhängen individuell entschieden werden.

Klassische Massagen und Anwendungen von Geräten sollten mit einem erfahrenen Therapeuten abgestimmt werden, in der Regel sind klassische Massagen der betroffenen Seite nicht sinnvoll.

Vorsicht ist auch bei Wärme und Überhitzung geboten, da Wärme grundsätzlich zu einer Wasseransammlung im Gewebe führen kann die somit ein Lymphödem begünstigt. Beim Schwimmen sollte die Temperatur nicht über 34 Grad betragen, empfehlenswert ist eine Temperatur zwischen 25 und 28 Grad. Es sollten keine heißen Packungen wie z. B. Fango oder Moor im betroffenen Bereich angewendet werden. Bei Saunagängen muss individuell die Verträglichkeit vorsichtig ausprobiert werden, auch hier gilt, dass kurze Saunagänge in niedrigerem Temperaturbereich eher verträglich sind als höhere Temperaturen. 

Lymphödem im Bein

Übertragen gelten die gleichen Regeln wie im Armbereich mit entsprechender Schonung des betroffenen Beines. Verletzungsgefahren bei der Garten- und Hausarbeit sind zu vermeiden. Auch Verletzungen durch falsches Schuhwerk sind ungünstig.

Zur Vermeidung von Insektenstichen empfiehlt es sich, lange Hosen und geschlossene Schuhe zu tragen. Besondere Sorgfalt sollte bei der Nagelpflege angewandt werden, ggf. sollte eine professionelle Fußpflege aufgesucht werden. 

Sportarten mit besonderen Belastungen im Beinbereich sollten vermieden werden, geeignet sind Dauersportarten wie Walking, Jogging, Golf, Schilanglauf, Rad fahren. Wichtig bei allen Tätigkeiten ist, immer wieder Bewegungen einzuschalten oder die Beine hoch zu legen, um den Lymphabfluss zu verbessern. 

Lymphödem: Allgemeine Regeln

Allgemeine Regeln sind, Verletzungen, Hitze- und Kälteeinwirkungen zu vermeiden, die Haut sollte mit geeigneten Hautpflegemitteln geschmeidig gehalten werden. Ekzeme durch Kosmetika, Reinigungsmittel etc. sollten vermieden werden. Die Kleidung sollte gut passen, nicht einengen und nicht abschnüren.

Sind Operationen im Bereich der betroffenen Extremität notwendig, so sollte dies von erfahrenen Operateuren durchgeführt werden.  

Miederwaren und Hilfsmittel beim Lymphödem 

Bei Patientinnen mit einem Lymphödem der oberen Extremität sollte besonders auf den Sitz des BHs geachtet werden. Spezielle BHs mit breiten Trägern ggf. an bestimmten Stellen individuell gepolstert, sollten in einem erfahrenen Sanitätsfachgeschäft angepasst werden.

Zur Hochlagerung gibt es für Arme und Beine entsprechende Lagerungskeile, die insbesondere nachts Entlastung bringen können. Auch auf die Hochstellung des Fuß- bzw. Kopfendes sollte geachtet werden. 

Behandlung des Lymphödem 

Die Behandlung des Lymphödem s besteht aus der Kombination von manueller Lymphdrainage und Kompressionsbehandlung.

Diese kombinierte Behandlung kann ein einmal entstandenes chronisches Lymphödem bessern, aber nicht beseitigen.  

Manuelle Lymphdrainage 

Durch erfahrene Therapeuten wird eine manuelle Lymphdrainage im Bereich der betroffenen Extremität durchgeführt. Darüber hinaus werden die für den Lymphabstrom zuständigen, im gesunden Bereich liegenden Lymphgefäße mit behandelt. Wichtig ist eine häufige Wiederholung der Griffe, so dass durch eine langsame, nur durch geringen Druck ausgeübte Gewebeverformung der Lymphflüssigkeitstransport angeregt werden kann.

Lymphdrainagen müssen langfristig und regelmäßig durchgeführt werden.  

Kompressionstherapie 

Bis auf Formen eines ganz leichten Lymphödem s schließt sich an eine manuelle Lymphdrainage eine Kompressionstherapie an. Diese besteht in der ersten Phase aus einer Bandagierung der betroffenen Extremität. Sind stabile Verhältnisse erreicht, so kann ein Kompressionsstrumpf für Arm oder Bein, ggf. auch für die Hand angepasst werden. Dieser Kompressionsstrumpf muss von erfahrenen Fachkräften in einem Sanitätsfachgeschäft angemessen und individuell hergestellt werden. 

Bei der Kompressionsbestrumpfung kann Gewebe von unterschiedlicher Druckkraft ausgewählt werden. Wir unterscheiden Bestrumpfungen der Stärke I-IV. Ein Armlymphödem wird z. B. in der Regel mit der Kompressionsklasse II versorgt, Bein-Lymphödem e bei leichter bis mäßiger Ausprägung mit Klasse II, bei stärkerer Ausprägung mit Klasse III. 

Um dem Patienten eine größtmögliche Eigenständigkeit zu ermöglichen, stehen verschiedene Anziehhilfen für Kompressionsstrümpfe zur Verfügung, die man sich im Sanitätsfachhandel ansehen sollte. 

Ambulante und stationäre Therapie des Lymphödem s 

In der Regel ist eine ambulante Therapie des Lymphödem s, wenn sie konsequent durchgeführt wird, ausreichend. Bei schweren Fällen sollte jedoch die Einweisung in eine entsprechende Fachklinik erfolgen, bei der - ggf. sogar mehrfach täglich - intensive Behandlungen durchgeführt werden können, um ein stark ausgeprägtes Lymphödem zu vermindern. 

Kontraindikationen der manuellen Lymphdrainage 

Wie oben erwähnt, stellt die akute Entzündung im Bereich des Lymphödem s (Erysipel) eine Kontraindikation für die Durchführung der Lymphdrainage dar.

Bei einer tiefen Beinvenenthrombose sollte ebenfalls im akuten Stadium keine Lymphdrainage durchgeführt werden. Dies gilt nicht für oberflächliche Thrombosen und Venenentzündungen. Hierbei wird lediglich das akut entzündete Gebiet ausgelassen und nur gekühlt.

Hat sich im Bereich eines Lymphödem s ein Ekzem der Haut ausgebildet, so sollte auch dieses Areal ausgespart werden und zunächst dermatologisch behandelt werden.

Ein Therapieproblem stellen Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz dar. Durch die Lymphdrainage könnten zum Teil erhebliche Flüssigkeitsmengen aus dem Gewebe wieder in den Blutkreislauf zurückgeführt werden, die dann zu einer erhöhten Belastung des Herzens führen. In diesen Fällen sollte die Lymphdrainage in erfahrenen Fachkliniken stationär begonnen werden.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
 © Dr. Jutta Hübner, Onkologie

Animationen animierte Augen

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Aktualisiert: Juni 2010

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